{"id":2959,"date":"2025-02-14T18:56:03","date_gmt":"2025-02-14T17:56:03","guid":{"rendered":"https:\/\/gewohnter-wandel.de\/?p=2959"},"modified":"2025-03-03T21:48:49","modified_gmt":"2025-03-03T20:48:49","slug":"bauhaus-insights-gewohnter-wandel-graduiertenkolleg-erforscht-wie-wohnen-und-gesellschaft-sich-gegenseitig-veraendern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gewohnter-wandel.de\/en\/journal\/bauhaus-insights-gewohnter-wandel-graduiertenkolleg-erforscht-wie-wohnen-und-gesellschaft-sich-gegenseitig-veraendern\/","title":{"rendered":"BAUHAUS.INSIGHTS: \u00bbGewohnter Wandel\u00ab \u2013 Graduiertenkolleg erforscht wie Wohnen und Gesellschaft sich gegenseitig ver\u00e4ndern"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie Menschen wohnen, ist von enormer Bedeutung \u2013 nicht nur f\u00fcr ihr eigenes Leben, sondern auch f\u00fcr die Gesellschaft. Unsere gebaute Wohnumwelt pr\u00e4gt gesellschaftliche Entwicklungen, w\u00e4hrend umgekehrt auch unsere sozialen Praktiken unsere Wohnsituation ver\u00e4ndern \u2013 aber wie genau? Wo liegen die Konflikte, die Herausforderungen, und wie kann Forschung dabei helfen, die gro\u00dfen Wohnungsfragen unserer Zeit zu l\u00f6sen?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Fragen befasst sich seit dem 1. Oktober 2024 das gemeinsame Graduiertenkolleg \u00bbGewohnter Wandel. Gesellschaftliche Transformation und r\u00e4umliche Materialisierung des Wohnens\u00ab der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar und der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 7,2 Millionen Euro gef\u00f6rderte Projekt erm\u00f6glicht in der ersten Phase bis 2029 bis zu 40 Nachwuchswissenschaftler*innen (Postdocs und Promovierenden) an beiden Universit\u00e4ten zur aktuellen Lage der Wohnungsversorgung zu forschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Barbara Sch\u00f6nig, Professur Stadtplanung an der Fakult\u00e4t Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar, leitet das Graduiertenkolleg als Sprecherin.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"925\" height=\"925\" src=\"https:\/\/gewohnter-wandel.de\/wp-content\/uploads\/Journal-03-Bauhaus-Insights.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2961\" srcset=\"https:\/\/gewohnter-wandel.de\/wp-content\/uploads\/Journal-03-Bauhaus-Insights.jpg 925w, https:\/\/gewohnter-wandel.de\/wp-content\/uploads\/Journal-03-Bauhaus-Insights-150x150.jpg 150w, https:\/\/gewohnter-wandel.de\/wp-content\/uploads\/Journal-03-Bauhaus-Insights-480x480.jpg 480w, https:\/\/gewohnter-wandel.de\/wp-content\/uploads\/Journal-03-Bauhaus-Insights-640x640.jpg 640w, https:\/\/gewohnter-wandel.de\/wp-content\/uploads\/Journal-03-Bauhaus-Insights-720x720.jpg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 925px) 100vw, 925px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Frau Prof. Sch\u00f6nig, wo genau sehen Sie den wissenschaftlichen Fokus und das eigentliche Ziel des Kollegs?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ganz grunds\u00e4tzlich betrachten wir, wie sich soziale und r\u00e4umliche Transformationsprozesse im Wohnen niederschlagen, wie sie sich gegenseitig beeinflussen und welche R\u00fcckwirkungen das wiederum auf die Transformationsprozesse hat. Wie sich das gegenw\u00e4rtig auswirkt, untersuchen wir im Kolleg anhand von f\u00fcnf wesentlichen Trends: Da ist zun\u00e4chst die Knappheit an bezahlbarem Wohnraum in Zusammenhang mit der Privatisierung und Finanzialisierung von Wohnungsversorgung, die man sowohl global als auch in Deutschland seit mehreren Jahrzehnten beobachten kann. Das verst\u00e4rkt weltweit die Ungleichverteilung von Wohnraum in der Gesellschaft. Immer mehr Menschen werden arm, weil sie zu hohe Wohnkosten haben, in \u00fcberbelegten oder zu kleinen Wohnungen wohnen, von Couch zu Couch bei Freund*innen ziehen oder aufh\u00f6ren m\u00fcssen zu heizen. Das ist der zweite Trend, den wir uns anschauen: die Polarisierung und Prekarisierung des Wohnens. Der dritte Trend betrifft die Diversifizierung von Wohnformen, denn unsere Gesellschaft wird immer diverser \u2013 nicht nur sozio\u00f6konomisch, sondern auch mit Blick auf Lebensstile und Familienformen. Viertens ziehen mit der Digitalisierung neue Techniken in unsere Wohnr\u00e4ume ein. Sie ver\u00e4ndern die Produktionsprozesse, wenn Wohnungen gebaut werden, aber auch, was wir zuhause tun. Wir verzichten bspw. auf den Weg ins B\u00fcro und machen Videokonferenzen im Schlafzimmer. Und schlie\u00dflich erwachsen f\u00fcnftens aus der Klimakatastrophe und der Endlichkeit nat\u00fcrlicher Ressourcen neue Herausforderungen an das Wohnen, das ja den \u00fcberwiegenden Anteil unseres Geb\u00e4udebestands ausmacht. Wir betrachten also insbesondere, wie Klimakrise und \u00d6kologisierung die Wohnungsversorgung ver\u00e4ndern und gesellschaftlich ausgehandelt werden. \u2028Diese f\u00fcnf Trends \u00fcberlagern einander nat\u00fcrlich und nicht jede Arbeit in unserem Kolleg kann alles erforschen. Aber alles in allem geht es uns darum zu verstehen, wie sich das Wohnen ver\u00e4ndert und wie sich diese gesellschaftlichen Trends in unseren Praktiken des Wohnens, in seiner Organisation und Regulierung sowie seiner r\u00e4umlichen Materialisierung niederschlagen \u2013 es geht uns um die Zusammenh\u00e4nge dieses Transformationsprozesses.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Kolleg vereint sozial- und geisteswissenschaftliche Forscherinnen der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt mit Forscherinnen aus der Urbanistik, Architektur und den Ingenieurwissenschaften an der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar. Wie kommen diese Kompetenzen zusammen? Wo und wie wird gemeinsam gearbeitet?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn man fragt, wie sich das Wohnen in Zukunft entwickeln wird, entsteht ja eine Vielzahl an Fragen im Kopf: Auf welche Weise, zu welchen Kosten, in welchen R\u00e4umen, an welchem Ort und mit welcher technischen Infrastruktur werden wir wohnen? Wie k\u00f6nnen alle angemessen versorgt werden, wie kann Wohnen bezahlbar und trotzdem \u00f6kologisch vertr\u00e4glich gestaltet werden? Es liegt auf der Hand, dass sich diese Fragen nicht NUR aus einer soziologischen ODER \u00f6konomischen ODER stadtplanerischen Perspektive beantworten lassen. Wir k\u00f6nnen sie nur beantworten, wenn wir disziplin\u00fcbergreifend zu ihnen forschen. Das findet auf mehreren Ebenen statt: Jede Promotion im Kolleg wird grunds\u00e4tzlich von zwei Kolleginnen aus verschiedenen Disziplinen betreut. Au\u00dferdem findet in gemeinsamen Veranstaltungen wie Ringvorlesungen und Seminaren st\u00e4ndig interdisziplin\u00e4rer Austausch statt. Insbesondere, um Perspektiven auf Methoden und Theorien auszutauschen, mit denen wir auf das Wohnen blicken. Wichtig ist auch der allt\u00e4gliche Austausch, den wir den Kollegiatinnen durch B\u00fcrostandorte in Frankfurt und Weimar erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">In Frankfurt soll ein \u201eWohnlabor\u201c entstehen \u2013 was genau ist das und welche Impulse erhoffen Sie sich daraus f\u00fcr das Kolleg?<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Wohnlabor wird am Institut f\u00fcr Sozialforschung (IfS) in Frankfurt angesiedelt sein. Es soll mit partizipativen Projekten dazu beitragen, methodische und methodologische Fragen der Wohnungsforschung weiterzuentwickeln. Dazu analysiert das Wohnlabor sozial-\u00f6kologische Transformationskonflikte vor Ort. Konkret sollen im Wohnlabor im Austausch mit Akteurinnen vor Ort zivilgesellschaftliche Projekte, politische und \u00f6konomische Ver\u00e4nderungen oder auch experimentelle bauliche Strategien erforscht werden, die Wohnbedarfe, -formen und -bedingungen ver\u00e4ndern. Dabei ist es auch das Ziel, diesen Wandel mit unseren Forschung begleitend mitzugestalten. Im Wohnlabor stellen wir solcherma\u00dfen unmittelbar transdisziplin\u00e4re Schnittstellen her. Und das streben wir auch im gesamten Kolleg an. Das geschieht bei \u00f6ffentlichen Veranstaltungen und in der Zusammenarbeit mit Partnerinnen aus Praxis und Zivilgesellschaft. Unsere Forschung ist ja kein Selbstzweck. Es geht uns darum, das Wohnen der Zukunft aktiv mitzugestalten. Um den daf\u00fcr n\u00f6tigen inter- und transdisziplin\u00e4ren Diskurs anzusto\u00dfen, ist das Wohnlabor ideal, weil es in sich bereits Wissenschaft und Praxis verbindet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie ist der regelm\u00e4\u00dfige Austausch mit Partner*innen aus Zivilgesellschaft und Praxis organisiert und wie k\u00f6nnen die Promovierenden und Postdocs davon am besten profitieren?<\/h2>\n\n\n\n<p>Neben den schon erw\u00e4hnten \u00f6ffentlichen Veranstaltungen erm\u00f6glichen wir zum Beispiel Hospitationen in Wohnungsunternehmen und Kommunalverwaltungen, die Durchf\u00fchrung von Workshops mit Interessengruppen, dar\u00fcber hinaus nat\u00fcrlich gezielte Vernetzungen, aber auch die Vermittlung und Diskussion von Forschungsinhalten. \u2028Wir k\u00f6nnen gegenw\u00e4rtige Ver\u00e4nderungen des Wohnens schlicht nicht verstehen, wenn wir nicht mit allen Akteurinnen im engen Austausch sind, die die Wohnungsversorgung tagt\u00e4glich gestalten und in der Praxis betrachten. Und das geschieht nun einmal in Kommunen und der Wohnungswirtschaft, in der Kommunikation \u00fcber Baukultur und Architekturgeschichte oder in spezialisierten Forschungsinstituten. Zugleich wollen wir nat\u00fcrlich auch unsere Erkenntnisse mit diesen Akteurinnen diskutieren und weiterentwickeln. Von diesem Austausch profitieren unsere Promovierenden und Postdocs unmittelbar f\u00fcr ihre Forschung. Gleichzeitig k\u00f6nnen sie dadurch zus\u00e4tzliche Kompetenzen jenseits ihrer wissenschaftlichen Qualifikation erwerben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ihre Ringvorlesung im aktuellen Wintersemester 2024\/25 bringt gerade noch zus\u00e4tzliche Impulse aus anderen L\u00e4ndern ein. Welche internationalen Trends f\u00fcr Wandel im Wohnen sollten sich deutsche Stadtplaner*innen unbedingt ansehen?<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir konnten in der Ringvorlesung im ersten Semester internationale G\u00e4ste aus \u00d6sterreich (Wien), D\u00e4nemark (Kopenhagen), Belgien (Gent) und den Niederlanden (Delft) begr\u00fc\u00dfen. Wenig \u00fcberraschend und doch eben eindr\u00fccklich f\u00fchrte uns der Vortrag aus Wien wieder einmal vor Augen, wie sehr die langfristige Kommunalisierung von Wohnraum seit mehr als 100 Jahren nicht nur st\u00e4dtebauliche und architektonische Qualit\u00e4t im Wohnungsbau erm\u00f6glicht, sondern auch dauerhaft bezahlbare Mieten f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung schafft. Die Beitr\u00e4ge aus Br\u00fcssel und Kopenhagen betrachteten gro\u00dfe Wohnsiedlungen in wohlfahrtsstaatlichen Kontexten \u2013 aber auch wie Bewohner*innen sie sich aneignen k\u00f6nnen. Der Vortrag aus Delft wiederum verdeutlichte die Bedeutung grundlagenorientierter Wohnungsforschung in Europa. Verdeutlicht wurde dies mit Blick auf gegenw\u00e4rtige Wohnungskrisen wie jener in Amsterdam, wo junge Menschen dramatisch von den in die H\u00f6he schie\u00dfenden Wohnungspreisen betroffen sind. Insgesamt hat die Ringvorlesung gezeigt, wie dringlich eine langfristige, sozial und \u00f6kologisch orientierte Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik ist \u2013 und \u00fcbrigens auch, wie dringlich eine Forschung gebraucht wird, die dazu auskunftsf\u00e4hig ist, wie eine solche Politik zu gestalten w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">40 Postdocs und Promovierende sollen bis 2029 innerhalb des Graduiertenkollegs forschen d\u00fcrfen. Wie viele Pl\u00e4tze gibt es aktuell f\u00fcr Weimarer Studierende und wann kann man sich wieder bewerben?<\/h2>\n\n\n\n<p>Derzeit arbeiten sieben wissenschaftliche Mitarbeiterinnen in Frankfurt und sechs in Weimar. In der n\u00e4chsten Ausschreibung 2027 werden wir weitere zw\u00f6lf Stellen f\u00fcr Promovierende anbieten. Dann k\u00f6nnen sich Weimarer Studierende \u2013 wie auch alle anderen Interessierten \u2013 wieder bewerben, \u00fcbrigens nicht nur f\u00fcr eine Stelle in Weimar, sondern auch in Frankfurt, je nachdem, wohin das Projekt besser passt. Wir geben dar\u00fcber hinaus durch Assoziierungen ausgew\u00e4hlten Wissenschaftlerinnen in der Qualifizierung (Promotion, PostDoc) die M\u00f6glichkeit, am Austausch im Graduiertenkolleg teilzuhaben<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Frau Prof. Sch\u00f6nig, wir danken Ihnen sehr f\u00fcr das informative Gespr\u00e4ch!<\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Menschen wohnen, ist von enormer Bedeutung \u2013 nicht nur f\u00fcr ihr eigenes Leben, sondern auch f\u00fcr die Gesellschaft. 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