Der Beitrag untersucht, wie sich staatliche Kürzungs- und Sparpolitik bzw. finanzielle Engpässe in Gemeinden auf das Wohnen in ländlichen Räumen auswirken. Zu diesem Zweck wird zunächst ein Überblick über den sozialwissenschaftlichen Debattenstand zu den Themenfeldern Kommunalfinanzen und Austerität, ländliche Räume sowie Wohnen in Deutschland gegeben. Dabei zeigt sich, dass das Thema ländliches Wohnen in der Forschung oft vernachlässigt wird. Im Anschluss analysiert der Text daher einige Besonderheiten und Herausforderungen der Wohnraumversorgung in ländlichen, insbesondere strukturschwachen Räumen. In solchen Regionen dominieren Eigenheime, während Mietwohnungen knapp sind – vor allem barrierefreie und bezahlbare Angebote fehlen. Die Entwicklung verläuft ungleich: In strukturschwachen Regionen, insbesondere in Ostdeutschland, gibt es hohe Leerstände, während attraktive Regionen unter Druck durch Zuzug und steigende Mieten leiden. Wo finanzielle Ressourcen fehlen, haben die Kommunen wenig eigene Möglichkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und soziale Problem zu bearbeiten. Um diese Zusammenhänge besser analysieren zu können, schlägt der Beitrag vor, zwischen den drei wohnungspolitischen Steuerungsmedien Geld, Eigentum und Recht zu unterscheiden und diese aus einer »multiskalaren« Perspektive zu betrachten – also die Wechselwirkungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen in den Blick zu nehmen. Die lokale Wohnraumversorgung hängt nicht nur von der finanziellen Situation der Kommune vor Ort ab, sondern wird auch maßgeblich durch Austeritätspolitiken auf übergeordneten Ebenen des Staates beeinflusst. Dies zeigt sich etwa anhand von Förderprogrammen (Geld), der Rolle landeseigener Wohnungsgesellschaften (Eigentum) oder gesetzlichen Regelungen (Recht). Aktuell drohen sich die Krise der Kommunalfinanzen ebenso wie die Miet- und Wohnungskrise weiter zu verschärfen. Daher ist es wichtiger denn je, dass die Wechselwirkung beider Fragen nicht nur wissenschaftlich erforscht, sondern auch von gesellschaftlichen Akteuren von unten verstärkt zum Thema gemacht wird. Nur so können neue, sozial gerechte und ökologische Konzepte für das Wohnen in ländlichen Räumen entstehen und ein »Recht auf Dorf« durchgesetzt werden.
Wiegand, F. (2026). Ländliches Wohnen unter dem Austeritätsregime. In Dudek, S. & Kallert, A. (Eds.). Krisen ländlicher Räume. Ursachen und Folgen von Austeritätspolitik in Kommunen. transcript, pp. 305–319. https://doi.org/10.14361/9783839402924-305
