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Mein Haus, mein Auto! Über das Wohnen und Fahren in der Vorstadt

Winter­semester 2026/27

Oct
20
17:00
–
18:30

Jan Engelke

Veranstaltungen/Lecture series
Fotocredit © Opel Automobile GmbH
© Opel Automobile GmbH

Keine Wohnform ist so populär wie das Einfamilienhaus. Vielleicht mehr denn je verspricht es sicheren Rückzugsraum, Selbstwirksamkeit und ein gutes Leben – zugleich werden hier stereotype Geschlechterrollen, heteronormativ-patriarchale Familienbilder und Eigentumsideologien verräumlicht. Tatsächlich wohnen in den meisten Häusern nur ein oder zwei ältere Personen, von denen nicht wenige offen wären für ein diverseres und schöneres Wohnen. Doch die Debatte darüber, wie im EFH-Bestand anders gewohnt werden könnte, ist ideologisch aufgeladenen.

Die seltsame diskursive Stellung des Einfamilienhauses ist vergleichbar mit der des Autos. Beide sind Hauptfiguren der Wirtschaftswunder-Erzählung, scheinen Grundfesten bundesrepublikanischer Identität. Dabei sind Haus und Auto eng verstrickt: Das eigene Heim in der Vorstadt ist ohne den eigenen Wagen unbewohnbar. Und ohne die Vorstadt bräuchte es kaum so viele Autos. Die Folgen sind Umweltverschmutzung, klassistische Segregation und erschwerte Teilhabe für alle, die nicht Auto fahren: Die automobile Vorstadt ist strukturell ungerecht. Doch selbst wenn morgen alle Autos verschwänden – die Vorstädte blieben, mit ihren Infrastrukturen, ihren ‚reinen‘ Wohngebieten und ihren automobilen Subjekten.

Der Vortrag betrachtet die Hintergründe des Einfamilienhaus-Booms der Wirtschaftswunderjahre im Zusammenhang mit der Automobilisierung dieser Zeit. Er lädt ein zur Diskussion über den Einfamilienhaus-Bestand als zentrale Ressource für eine Zukunft des Wohnens, die weniger Mobilität erforderlich macht. Wie lässt sich das Wohnen und Fahren in der Vorstadt verwandeln?

Jan Engelke (Dr. Ing.) lehrt und forscht als Postdoc an der Professur Urban Design der TU München zur Transformation der alltäglichen Stadt. Besonders interessieren ihn Eigentumsverhältnissen und Genderrollen, Mobilität und der öffentliche Raum in der Vorstadt sowie Methoden des Städtebaus. Er studierte Architektur an der ETH Zürich und der Bauhaus-Universität Weimar und promovierte als assoziierter Kollegiat des DFG-Graduiertenkollegs »Identität und Erbe« an der TU München zum Eigenheim in der bundesdeutschen Nachkriegszeit und der Zeitschrift Schöner Wohnen. Mit ANA arbeitet Jan als Architekt in Berlin.

Veranstaltungsort: Marienstraße 13 (Hörsaal D), Weimar