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Wohnutopien zwischen Digitalisierung, Care und geteilter Abhängigkeit

Winter­semester 2026/27

Nov.
03
17:00
–
18:30

Linus Pasch, Marlene Hobbs

Veranstaltungen/Ring­vorlesung
wohnzimmer.CarolinePochon
Bild: Caroline Pochon

Neue Technologien für das Wohnen im Alter sollen die Autonomie älterer Menschen fördern und Pflege günstiger und einfacher machen. Der demographische Wandel wird somit zu einem Problemfeld erklärt, für das Technologien eine Lösung versprechen. Das private Zuhause gilt dabei als Wohnnorm, die mithilfe der Digitalisierung optimiert werden soll. Monitoring- und Kommunikationstechnologien sollen hier zu einem „würdevollen“, unabhängigen Altern beitragen und Pflegende entlasten. Demgegenüber gelten institutionelle Wohn- und Pflegeeinrichtungen als „schlechtere“ Orte für „gutes“ Altern, in denen neue Technologien vor allem zur Rationalisierung der Pflege beitragen. 

Der Vortrag hinterfragt die räumlichen Konstruktionen von Alter und Pflege im Kontext aktueller Digitalisierungsbestrebungen. Vor dem Hintergrund der Technikversprechen erörtern wir, ob und wie neue Technologien tatsächlich emanzipatorisches Potenzial für Care-Beziehungen entfalten können.

Anschließend an Feministische Technikforschung gehen wir dabei den in die Technologien eingeschriebenen Normierungen und der alltäglichen Nutzung von Technologien nach. Unsere Forschung mit Technikentwicklern zeigt, wie aktuelle Altersbilder in Smart-Home-Technologien verankert werden. Anhand ethnographischer Forschung in Demenz-WGs zeigen wir, wie sozio-technische Wohn- und Pflegepraktiken darüber hinaus gängige Dualismen infrage stellen: zwischen „warmer” Pflege und „kalter” Technik sowie zwischen aktivem, unabhängigem Altern zu Hause und gebrechlichem, abhängigem Altern im Pflegeheim.

Anschließend wollen wir gemeinsam diskutieren, wie Wohnutopien aussehen könnten, wenn Care und Technologien konsequent zusammen gedacht würden und wenn gegenseitige Abhängigkeit als gesellschaftliche Norm statt als Abweichung anerkannt würde.

Linus Pasch ist Sozialgeograph und forscht zu feministischen, postkolonialen und queeren Ansätzen der kritischen Stadtforschung sowie zu Fragen des Wohnens im Alter.

Marlene Hobbs ist Sozialgeographin und feministische Technikforscherin und beschäftigt sich mit Fragen nach Wohn- und Arbeitszukünften an der Schnittstelle von Care-Geographien, Labour und Digital Geographies.

Veranstaltungsort: Marienstraße 13C (Hörsaal D), Weimar

digitale Teilnahme: https://meeting.uni-weimar.de/b/rooms/kat-jae-xzr-uoz/join (Kennwort: qpifkb)

Bauhaus-Universität Weimar, Marienstraße 13 (Hörsaal D) Weimar