
Bild: Interbau GmbH (1957). Die Stadt von morgen. Berlin. Broschüre illustriert von Oswin.
Die Bereitstellung von Wohnraum ist nie nur eine Antwort auf ein soziales Grundbedürfnis. Wohnen ist immer auch politisch: es spiegelt Vorstellungen von Bürgerschaft, gesellschaftlicher Teilhabe, sozialem Status und Geschlechterverhältnissen – und zunehmend auch vom Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Der Vortrag blickt auf die Wohnpolitiken Wiens in den 1920er-Jahren und Berlins nach 1945. Im Zentrum stehen die Politiken des Massenwohnungsbaus und die mit ihnen verbundenen gesellschaftspolitischen Utopien, Leitbilder und Konflikte. Die damals entstandenen Wohnbauten waren nicht nur Antworten auf konkrete Wohnungsnot, sondern auch Entwürfe für eine andere Gesellschaft und für zukünftige Formen des Zusammenlebens. Was ist von diesen Wohnzukünften geblieben? Der Vortrag versteht die gebauten, umkämpften und teilweise vergessenen Wohnutopien des 20. Jahrhunderts als ein bauliches, politisches und ideelles Erbe der Gegenwart. Sie prägen Städte bis heute und werfen Fragen auf, die aktueller denn je sind: Wie lässt sich Wohnraum sozial gerecht organisieren? Und wie kann Wohnen angesichts von Klimakrise, Ressourcenknappheit und Flächenverbrauch ökologisch zukunftsfähig werden?
Margaret Haderer ist Universitätsassistentin an der TU Wien. Sie promovierte in Politikwissenschaft an der University of Toronto. Ihre Dissertation an der Schnittstelle von Wohnungspolitik und Raumsoziologie erschien 2023 als Buch unter dem Titel Rebuilding Cities and Citizens: Mass Housing in Red Vienna and Cold War Berlin bei Amsterdam University Press. In ihrer rezenten Forschung sie sich mit sozial-ökologischen Transformationen und auch mit der Frage, wie sich diese im Bereich des Wohnens vollziehen. Von 2018 bis 2022 co-leitete sie das FWF-Projekt Urbane Experimente für eine sozial-ökologische Transformation, das am Institut für Gesellschaftswandel und Nachhaltigkeit (WU Wien) angesiedelt war. Von 2020 bis 2023 war sie koordinierende Leitautorin des APCC-Sachstandsberichts Strukturen für ein klimafreundliches Leben. An der TU Wien, co-leitet sie derzeit ein DUT-Projekts zur 15-Minuten-Stadt, in dem auch die Bereitstellung von Wohnen eine Rolle spielt.
Veranstaltungsort: Marienstraße 13C (Hörsaal D), Weimar
digitale Teilnahme: https://meeting.uni-weimar.de/b/rooms/kat-jae-xzr-uoz/join (Kennwort: qpifkb)