Das Wohnen unterliegt einem stetigen Wandel. Will man diesen sozial, ökologisch und räumlich gerecht und zukunftsfähig gestalten, gilt es zunächst zu verstehen, wie gesellschaftlicher Wandel und Materialitäten von Architektur, Quartieren, Siedlungen samt ihrer Infrastrukturen und Freiräume sich wechselseitig beeinflussen. Und es gilt zu ergründen, welche Möglichkeiten, Widersprüche und Konflikte sich aus dem komplexen Spannungsverhältnis räumlicher Materialisierung des Wohnens und gesellschaftlicher Transformation ergeben. Konkret erfährt das weitgehend marktförmig organisierte und durch gesellschaftliche Individualisierung geprägte Wohnen unter den Bedingungen eines globalisierten, finanzialisierten und flexibilisierten Kapitalismus, vor dem Hintergrund multipler Krisen sowie gesellschaftlicher Transformationen, gegenwärtig einen tiefgreifenden Wandel. Die Tagung will diese aktuellen Entwicklungen ergründen und wie die Wechselwirkung baulich-räumlicher und gesellschaftlicher Aspekte in den Blick nehmen.
Veranstaltungen
Jahrestagung 2026
Weiter Wohnen wie gewohnt? Gesellschaftliche Transformation und räumliche Materialisierung des Wohnens
Wohnlabor
Ob steigende Mieten und Verdrängung, Modernisierungs- und Neubauprojekte, die Geschäftspolitik öffentlicher Wohnungsunternehmen oder die Gleichzeitigkeit von Leerstand und Obdachlosigkeit: Die Wohnungsfrage bewegt Frankfurt, sie ist eine der zentralen Konfliktfelder der Stadt. In verschiedenen Formaten und aktuellen Anlässen arbeitet das Wohnlabor mit Mieter:innen und Betroffenen der Wohnungskrise, mit Wissenschaftler:innen, Expert:innen und Aktiven aus der Zivilgesellschaft, mit spannenden Gäst:innen von außerhalb und allen Interessierten der (Frankfurter) Stadtgesellschaft.
Wohnen in Frankfurt – kritische Bestandsaufnahme und politische Perspektiven.
Zwischen Wohnungsnot und Klimakrise: Strategien einer Wärmewende für alle
Leerstand zu Wohnraum – aber wie? Erfahrungen, Handlungsspielräume und Herausforderungen
Perspektiven für den Umgang mit Boden
Wohnt Frankfurt ungleich? Rassismus als Wohnungsfrage
Ringvorlesung (Wintersemester 2025/26)
Zerstörung - Zuflucht - Zukunft. Wohnen im und nach dem Krieg Wie wirkt sich Krieg auf das Wohnen aus und was können wir durch den Blickwinkel des Wohnens über Krieg lernen? In sieben Veranstaltungen beleuchten internationale Forschende aus Stadtplanung, Humangeographie, Architektur, Kunstgeschichte sowie Rechtswissenschaften und Anthropologie politische, ökonomische, bauliche und soziale Dimensionen der Wohnungsversorgung in Zeiten drohender und andauernder Kriege sowie sich anschließender Nachkriegsperioden. Die Beiträge blicken auf Entwicklungen in Bosnien, Deutschland, Israel, Jordanien, Syrien und der Ukraine und zeigen auf, wie Krieg als Zäsur bestehende Ordnungen und Strukturen zerstört, welche Neuerungen staatlicher Planungen zur Versorgung mit Wohnraum sich daraus entwickelt haben, wie die Menschen den alltäglichen Herausforderungen des Wohnens begegnen und wie bewaffnete Konflikte gesellschaftliche Wohnrealitäten und -identitäten dauerhaft prägen. Die Ringvorlesung findet dienstags 14tägig um 18.30 Uhr im Wechsel an den Standorten Weimar und Frankfurt/Main statt. Es gibt die Möglichkeit einer digitalen Teilnahme.
Die Verrechtlichung des Wohnens – Anfänge und Kontinuitäten im und nach dem Krieg
Pia Lange
Taste of Cement – Gesellschaftlicher Alltag zwischen Kriegszerstörung und Wiederaufbau in Libanon und Syrien
Ansgar Frerich/FrankEckardt/Aref Al-Swaidani
Housing refugees in camps? From shelters to dwellings
Ayham Dalal
Housing in Ukraine: War-induced Housing Crisis and Policy Response
Galyna Sukhomud
Homeland Revisited: From Homing to Homecide
Yael Allweil
Shifting values of housing in Bosnia and Herzegovina
Stef Jansen
Einrichten in der Apokalypse. Prepper-Wohnfantasien im Zeitschriftenformat
Mona Schieren